Kultur

Schloss Favorite   Schloss Favorite

Schloss Favorite bei Kuppenheim

Schloss Favorite ist das älteste und auch das einzige in seiner ursprünglichen Form erhalten gebliebene deutsche "Porzellanschloss".

Das Schloss Favorite liegt in Rastatt-Förch direkt zur Stadtgrenze Kuppenheim. Ein schöner Park umgibt das Schloss.

Das Schloss wurde von Sibylla Augusta, der jungen Witwe Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, ab 1710 als Lustschloss erbaut . Die kunstsinnige Markgräfin ließ es zu einem barocken Gesamtkunstwerk mit reicher dekorativer Innenausstattung ausführen. Hier kann man heute auch die berühmte und kostbare Porzellan-, Glas- und Fayencesammlungen besichtigen.
Öffnungszeiten:
Besichtigungen nur im Rahmen
von Führungen möglich
16. März - 30. Sept.: Di. - So. 10 - 17 Uhr
1. Okt. - 15. Nov.: Di. - So. 10 - 16 Uhr

Schlosskasse:
Tel.: (07222) 41207
Fax: (07222) 408957
info@schloss-rastatt.de
Eintrittspreise:
Schlossführung:
Erwachsene: 5,00 €
ermäßigt: 2,50 €

Sonderführungen:
Erwachsene: 8,00 €
ermäßigt: 4,00 €

Geschichte des Schloss Favorite

Zu den unverzichtbaren Teilen einer barocken Residenz gehörte auch mindestens ein vor der Stadt gelegenes Garten- oder Lustschloss. Auch dies gibt es bei Rastatt noch, die Favorite. Das vor allem wegen der prunkvollen Ausstattung seiner Innenräume berühmte Schloss ist ein dreigeschossiger Bau von fünfzehn Achsen, drei davon entfallen auf einen vortretenden Mittelrisalit, je zwei auf ganz schwach ausgebildete Seitenrisalite. Vor einer rundbogigen Tür im ersten Obergeschoss in der Mittelachse liegt ein breiter Altan, auf den zwei geschwungene Freitreppen führen. Auf der Rückseite des Baues sind zwei dreiachsige Flügel ausgebildet, so dass ein kleiner dreiseitig umschlossener Hof entsteht. Ungewöhnlich ist die Verwendung von Flächen aus Kieseln und gebrochenen Steinen zur Gliederung des Außenputzes. Ein zentraler Mittelsaal ist im Erdgeschoss durch Tore von Vorder- und Rückseite des Gebäudes zu betreten; er reicht durch alle Geschosse und mit einem achteckigen Kuppelaufsatz bis über das Dach hinaus. Im Erdgeschoss befinden sich Wirtschaftsräume, darunter eine Schauküche. Das Obergeschoss weist zwei je siebenräumige Wohnappartments für die Regentin und den noch unmündigen Markgrafen Ludwig Georg auf. Sie sind mit einer wohlerhaltenen, sehr prunkvollen Wanddekoration aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jhs. ausgestattet. Kostbare Textilien, darunter zwei Prunkbetten, ostasiatische Importstücke und reichste Verwendung verschiedenster Materialien zeichnen die Räume aus. Besonders bemerkenswert sind das Spiegelkabinett, eines der frühesten in Deutschland, und das Florentiner Zimmer mit Pietradura-Arbeiten, die die Markgräfin aus Florenz erhielt. Einmalig ist die Ausstattung aller Räume an der Vorderfront mit Böden aus Scagliola, einer Einlegearbeit aus gefärbtem Gips. Die Entwürfe der Dekorationen stammen wohl von dem Maler Franz Pfleger, der gleichzeitig auch für die Schlosskirche in Rastatt arbeitete. Sehr groß dürfte auch der persönliche Einfluss der Markgräfin-Regentin auf die Ausstattung der Räume gewesen sein. In allen Zimmern der Beletage waren die Stücke einer reichen Porzellansammlung der Markgräfin in die Wanddekoration eingebaut. Sie sind heute in eigenen Sammlungsräumen im Obergeschoss vereinigt.

Die Geschichte des Favorite beginnt mit Grundstücksankäufen 1707. 1710 wird zu ersten Mal ein Bau erwähnt, der 1711 wohl abgeschlossen war. Im heutigen Schloss steckt ein kleineres Gebäude, das wohl noch während der Bauzeit zur heutigen Größe erweitert wurde. Für den größeren Bau gibt es Pläne Joh. Michael Rohrers. Die Innenausstattung fällt, wenigstens zum Teil, erst in die 1720er Jahre.

Zum Schloss gehören zwei Pavillons hinter den Flügelbauten, an die später zwei symmetrische Arkadenbauwerke angeschlossen wurden, die wenigstens teilweise als Orangerien dienten. Beim nördlichen Bau wurden noch im 18. Jhd. die Arkaden zugunsten geschlossener Nutzräume vermauert. Quer zur Gartenachse, deren Wasserbecken sich noch zwischen den Arkaden abzeichnet, sind vier Kavalierhäuser angeordnet. Etwas abseits liegt die Eremitage, ein achteckiger Zentralbau mit einem Kranz winziger Zimmer um eine zentrale Magdalenenkapelle mit einem "Heiligen Grab". Das außen mit Baumrinde bekleidete, innen entsprechend bemalte Bauwerk diente sicher der Markgräfin für Buß- und Einkehraufenthalte. Es fanden dort auch zu bestimmten Tagen Gottesdienste statt. Erhalten blieben auch die Ausstattungen der Kapelle und eines Wohnraumes mit fast lebensgroßen bekleideten Wachsfiguren zur Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens. Der ursprünglich das Schloss allseitig umgebende barocke Parterregarten wurde unter Einbeziehung eines anschließenden Waldstückes, in welchem sich ursprünglich eine Fasanerie befand, 1788-1805 durch den Karlsruher Hofgärtner Joh. Michael Schweyckert in einen sehr interssanten, heute sehr gepflegten Landschaftspark umgewandelt.
(Der Text wurde uns freundlicherweise vom Kreisarchiv Rastatt zur Verfügung gestellt.)



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